Erst das Pferd. Dann alles andere. Und du? Pferdemenschen und Selbstfürsorge
In letzter Zeit beschäftigt mich eine Frage:
Warum fällt es uns oft so leicht, uns mit voller Aufmerksamkeit um andere zu kümmern – und gleichzeitig so schwer, uns selbst dieselbe Aufmerksamkeit zu schenken?
Gerade wir Pferdemenschen investieren unglaublich viel.
Wir beobachten, lesen kleinste Veränderungen, bilden uns weiter, organisieren unseren Alltag um, suchen nach Lösungen und versuchen immer wieder, unserem Pferd das zu geben, was es braucht. Und oft tun wir das mit Liebe.
Aber irgendwann habe ich angefangen, mir eine andere Frage zu stellen:
Was passiert eigentlich mit uns selbst dabei?
Denn wenn ich ehrlich bin, sehe ich dieses Muster nicht nur im Stall.
Ich sehe es überall:
- Wir kümmern uns um Familie.
- Wir denken an Geburtstage, Arzttermine, Einkäufe, Organisieren, Mitdenken.
- Wir geben im Beruf unser Bestes.
- Wir übernehmen Verantwortung, halten Dinge zusammen, springen ein, ziehen durch.
Wir sorgen vor.
Für unsere Tiere. Für unsere Zukunft. Für andere.
Und bei uns selbst? Da verschieben wir erstaunlich viel:
- Die Pause später.
- Die Auszeit irgendwann.
- Der Gesundheitscheck nächstes Jahr.
- Mehr Schlaf, wenn wieder weniger los ist.
- Das gute Essen, wenn endlich Zeit dafür ist.
- Die eigenen Bedürfnisse, wenn die To-do-Liste kürzer geworden ist.
Und irgendwann fällt mir auf:
Ich behandle mich selbst oft mit deutlich weniger Aufmerksamkeit als alles und alle um mich herum – nicht aus mangelnder Selbstliebe, sondern weil wir es gewohnt sind.
Weil Leistung selbstverständlich geworden ist.
Weil Durchhalten sich normal anfühlt.
Weil wir gelernt haben, dass Selbstfürsorge egoistisch ist.
Und manchmal sogar ein bisschen stolz darauf sind, wie viel wir schaffen.
Bis wir merken, da ist weniger Geduld, weniger Präsenz, weniger Leichtigkeit. Wir werden schneller gereizt, als wir eigentlich sein wollen. Weniger aufmerksam. Und manchmal begegnen wir genau den Menschen – oder auch unseren Pferden – nicht mehr so, wie wir es uns eigentlich wünschen – nicht, weil wir weniger lieben, sondern weil wir irgendwann vergessen haben, dass wir selbst Teil des Systems sind.
Ich musste in letzter Zeit oft an einen Gedanken aus dem Horse-Focus-Training von Marie Massmann denken, über das sie auf dem Online-Kongress Liebe der Pferde so intensiv gesprochen hat. Dort geht es darum, die Welt einmal mehr aus den Augen des Pferdes zu sehen – und dem Pferd gleichzeitig zu helfen, unsere Welt besser zu verstehen.
Ein Gedanke, den ich wunderschön finde, denn Verstehen verändert Beziehungen.
Und irgendwann habe ich mich gefragt:
Vielleicht gilt das nicht nur zwischen Mensch und Pferd.
Vielleicht dürfen wir manchmal auch uns selbst wieder besser verstehen.
Nicht erst dann, wenn etwas nicht mehr funktioniert, nicht erst, wenn wir erschöpft sind, sondern früher.
Aus genau diesen Gedanken heraus habe ich angefangen, mir selbst ein paar Fragen zu stellen, unter anderem:
Wenn ich mir selbst dieselbe Aufmerksamkeit schenken würde wie meinem Pferd – was würde ich dann eigentlich sehen?
Daraus ist ein kleines Quiz entstanden.
Keine Analyse. Kein Urteil. Eher eine Einladung. Einmal kurz stehen zu bleiben und hinzuschauen, – nicht darauf, was du noch besser machen könntest, sondern darauf, wie es dir eigentlich gerade wirklich geht.

