Warum wir bei der Pferdefütterung oft falsch anfangen
Wer sich mit der Fütterung seines Pferdes beschäftigt, stößt schnell auf eine kaum überschaubare Auswahl an Produkten. Mineralfutter, Kräutermischungen, Öle, Mash, Müslis oder spezielle Ergänzungsfuttermittel versprechen Unterstützung für nahezu jeden Bereich – vom Stoffwechsel über die Verdauung bis hin zu Fell, Hufen oder Gelenken.
Da ist es verständlich, dass viele Pferdebesitzer möglichst alles richtig machen möchten. Schließlich wünschen wir uns gesunde, leistungsbereite und zufriedene Pferde, die lange leben.
Doch genau dabei geraten die eigentlichen Grundlagen manchmal aus dem Blick, denn gesunde Pferdefütterung beginnt oft nicht mit der Frage, welches Zusatzfutter das beste ist. Sie beginnt viel früher.
Der Stoffwechsel eines Pferdes arbeitet rund um die Uhr. Er verarbeitet Nährstoffe, versorgt den Körper mit Energie, unterstützt die Regeneration und sorgt dafür, dass unzählige Prozesse überhaupt funktionieren können. Damit das gelingt, ist er auf eine Ernährung angewiesen, die den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes möglichst nahekommt.
Dass die Art der Fütterung den Stoffwechsel beeinflusst, zeigen auch wissenschaftliche Untersuchungen. So konnten Forscher nachweisen, dass sich Pferde unter einer raufutterbetonten Fütterung metabolisch anders verhalten als Pferde, die überwiegend stärkereiche Rationen erhalten. Das unterstreicht, wie wichtig eine bedarfsgerechte Grundfütterung für die Gesundheit des gesamten Organismus ist.
Viele Probleme entstehen deshalb nicht von heute auf morgen. Sie entwickeln sich häufig über einen längeren Zeitraum. Kleine Veränderungen bleiben zunächst unbemerkt und werden erst sichtbar, wenn der Körper sie nicht mehr ausgleichen kann. Deshalb lohnt es sich, bei Auffälligkeiten einen Schritt zurückzugehen und das große Ganze anzuschauen:
- Bekommt das Pferd ausreichend Raufutter?
- Hat es jederzeit Zugang zu frischem Wasser?
- Passt die Fütterung zu Alter, Gesundheitszustand und Bewegung? Stimmen Haltung und Stressbelastung?
Erst wenn diese Grundlagen betrachtet wurden, ergibt es Sinn, über zusätzliche Futtermittel nachzudenken. Das bedeutet nicht, dass Ergänzungsfuttermittel grundsätzlich überflüssig sind. Im Gegenteil. Es gibt Situationen, in denen sie sinnvoll oder sogar notwendig sein können. Manche Pferde haben einen erhöhten Bedarf an bestimmten Mineralstoffen oder benötigen aufgrund einer Erkrankung eine angepasste Fütterung. Auch in besonderen Lebensphasen können Ergänzungen helfen.
Entscheidend ist jedoch, dass sie gezielt eingesetzt werden, denn mehr ist nicht automatisch besser.
Ein Pferd profitiert nicht davon, möglichst viele verschiedene Produkte gleichzeitig zu bekommen. Im schlimmsten Fall verliert man sogar den Überblick darüber, was tatsächlich sinnvoll ist und was lediglich das eigene Bedürfnis widerspiegelt, dem Pferd etwas Gutes tun zu wollen.
Dabei ist genau das ein Gedanke, den vermutlich viele Pferdebesitzer kennen: Wer sein Pferd liebt, möchte nichts übersehen. Schnell landet noch ein weiteres Produkt im Futtertrog – in der Hoffnung, die Gesundheit zusätzlich zu unterstützen.
Dabei ist die Basis oft wesentlich unspektakulärer. Eine bedarfsgerechte Fütterung orientiert sich zunächst an den natürlichen Bedürfnissen des Pferdes. Hochwertiges Raufutter, ausreichend Wasser, Bewegung und eine möglichst pferdegerechte Haltung bilden das Fundament. Erst darauf baut alles Weitere auf.
Natürlich gibt es keine Fütterung, die für jedes Pferd gleichermaßen passt. Alter, Rasse, Nutzung, Gesundheitszustand und Haltungsform spielen immer eine Rolle. Deshalb lohnt es sich, nicht einfach Empfehlungen anderer zu übernehmen, sondern das eigene Pferd individuell zu betrachten.
Für mich ist genau das der wichtigste Gedanke. Nicht möglichst viele Produkte entscheiden darüber, ob ein Pferd gesund bleibt. Viel wichtiger ist es, die Grundlagen zu verstehen und den Blick zuerst auf das zu richten, was jedes Pferd braucht.
Wenn diese Basis stimmt, lassen sich viele weitere Entscheidungen deutlich einfacher treffen.
Hinweis: Headerbild mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt.
Du möchtest mehr?
Wenn du dich intensiver mit dem Zusammenhang zwischen Fütterung und Stoffwechsel beschäftigen möchtest, kann ich dir das Interview mit Dr. Christina Fritz im Online-Kongress Liebe der Pferde empfehlen. Darin erklärt sie verständlich, warum eine gesunde Pferdefütterung immer mit den Grundlagen beginnt und weshalb der Stoffwechsel dabei eine zentrale Rolle spielt.
