Warum gutes Heu die Grundlage jeder Pferdefütterung ist
Wenn wir über Pferdefütterung sprechen, denken viele zuerst an Mineralfutter, Kräuter oder das passende Müsli. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass das wichtigste Futtermittel eines Pferdes viel unscheinbarer ist.
Heu.
Es begleitet Pferde jeden Tag und macht den größten Teil ihrer Futterration aus. Trotzdem bekommt es oft deutlich weniger Aufmerksamkeit als die Produkte, die zusätzlich im Futtertrog landen.
Dabei lohnt es sich, gerade dort genauer hinzusehen. Das Verdauungssystem des Pferdes hat sich über Millionen Jahre entwickelt. Wildlebende Pferde verbringen einen großen Teil des Tages damit, langsam umherzuziehen und immer wieder kleine Mengen verschiedener Gräser und Pflanzen aufzunehmen. Ihr Magen ist vergleichsweise klein, produziert aber kontinuierlich Magensäure. Gleichzeitig ist der Dickdarm darauf spezialisiert, die Rohfasern aus Gräsern und Kräutern zu verwerten.
Diese Anpassungen haben sich bis heute kaum verändert. Auch unsere Hauspferde brauchen deshalb vor allem eines: ausreichend Raufutter.
Heu liefert nicht nur Energie und Nährstoffe. Durch das lange Kauen wird viel Speichel gebildet, der hilft, die Magensäure zu puffern. Gleichzeitig beschäftigt das Fressen die Pferde über viele Stunden und unterstützt eine gesunde Verdauung. Studien zeigen, dass eine raufutterreiche Fütterung dem natürlichen Verdauungssystem des Pferdes deutlich besser entspricht als große Mengen stärkereicher Futtermittel. Deshalb spielt die Qualität des Heus eine so große Rolle.
Von außen lässt sie sich allerdings nur begrenzt beurteilen. Ein angenehm riechender, staubarmer Heuballen ist zwar eine gute Voraussetzung, sagt aber noch nichts über seinen Nährstoffgehalt aus. Je nach Erntezeitpunkt, Pflanzenbestand oder Witterung kann sich Heu erheblich unterscheiden. Genau deshalb kann eine Heuanalyse sinnvoll sein. Sie hilft dabei, die Fütterung besser auf den tatsächlichen Bedarf des Pferdes abzustimmen, statt Vermutungen anzustellen.
Immer wieder höre ich auch die Frage, ob Heulage oder Silage nicht genauso gut geeignet wären. Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Silage ist für Milchkühe entwickelt worden und weist einen deutlich höheren Gärungsgrad auf als Heu. Für Pferde ist sie deshalb grundsätzlich nicht geeignet.
Heulage wird dagegen auch in der Pferdehaltung eingesetzt. Sie enthält mehr Restfeuchtigkeit als Heu und konserviert das Futter durch einen Gärungsprozess. Gleichzeitig stellt sie höhere Anforderungen an Herstellung, Lagerung und Hygiene. Bereits kleine Fehler können dazu führen, dass sich unerwünschte Keime vermehren oder die Qualität leidet.
Heu ist in dieser Hinsicht deutlich robuster und entspricht außerdem dem natürlichen Fressverhalten des Pferdes am besten. Deshalb bleibt hochwertiges Heu für die meisten Pferde die erste Wahl.
Das bedeutet nicht, dass jedes Pferd gleich gefüttert werden sollte. Ein junges Sportpferd hat andere Bedürfnisse als ein leichtfuttriges Freizeitpferd oder ein Senior. Trotzdem beginnt jede bedarfsgerechte Fütterung mit derselben Frage:
Wie gut ist eigentlich das Raufutter?
Erst wenn diese Grundlage bekannt ist, lässt sich überhaupt beurteilen, ob zusätzliche Futtermittel notwendig sind oder nicht.
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Du willst mehr?
Wenn du dich intensiver mit der Qualität von Heu und der Bedeutung einer Heuanalyse beschäftigen möchtest, kann ich dir das Interview mit Elke Malenke im Online-Kongress Liebe der Pferde empfehlen. Sie erklärt sehr verständlich, warum gutes Heu weit mehr ist als nur „Grundfutter“ und weshalb seine Qualität einen so großen Einfluss auf die Gesundheit unserer Pferde hat.
