Können wir wirklich mit Pferden sprechen? Was Tierkommunikation leisten kann und wo wir genau hinsehen sollten

Vielleicht kennst du diese Momente auch: Du kommst in den Stall, siehst dein Pferd und weißt irgendwie sofort, dass heute etwas anders ist.

Vielleicht kannst du gar nicht genau sagen, woran du es festmachst. Dein Pferd steht ein wenig anders da. Sein Blick wirkt verändert. Es kommt nicht wie sonst auf dich zu oder sucht plötzlich besonders deine Nähe. Manchmal ist es nur ein leises Gefühl, und trotzdem nehmen wir es sehr deutlich wahr.

Je länger wir mit einem Pferd zusammenleben, desto besser lernen wir seine kleinen Signale kennen. Wir erkennen Veränderungen in seiner Körperspannung, seinem Gesichtsausdruck, seiner Bewegung und seinem Verhalten. Vieles davon geschieht ganz bewusst. Anderes nehmen wir offenbar wahr, ohne sofort benennen zu können, was genau uns aufgefallen ist.

Aber können wir noch weitergehen? Können wir tatsächlich mit unserem Pferd sprechen?

Genau darüber habe ich mich für meinen Online-Kongress Liebe der Pferde mit Anna Hochberg unterhalten. Anna ist Pferdetrainerin und professionell ausgebildete Tierkommunikatorin und beschäftigt sich intensiv mit der Beziehung zwischen Pferd und Mensch. In ihrer Arbeit verbindet sie Tierkommunikation mit einem ganzheitlichen Blick auf das Mensch-Pferd-Paar.

Was ist eigentlich Tierkommunikation?

Wenn wir im Alltag von Kommunikation sprechen, denken wir meistens an Sprache. Bei Pferden ist uns natürlich klar, dass Kommunikation anders funktioniert. Pferde sprechen ständig mit uns und miteinander – über ihren Körper, ihre Bewegungen, ihren Gesichtsausdruck, ihre Haltung, Abstände und viele sehr feine Signale.

Tierkommunikation, wie Anna sie versteht und praktiziert, geht jedoch darüber hinaus. Sie beschreibt eine telepathische Verbindung zum Pferd, über die Gedanken, Gefühle oder andere Informationen wahrgenommen werden sollen. Bei einem von ihr angebotenen Pferdegespräch beispielsweise erhält sie ein Foto des Pferdes und führt während eines Telefontermins nach eigener Beschreibung ein Gespräch mit dem Tier, bei dem der Mensch Fragen stellen kann.

Für manche Menschen klingt das vollkommen selbstverständlich. Andere werden spätestens an dieser Stelle skeptisch. Und ich finde: Beides darf sein. Wir müssen nicht alles sofort glauben. Wir müssen aber auch nicht alles sofort ablehnen, nur weil es nicht in unser bisheriges Weltbild passt.

Interessanter finde ich die Frage, was geschieht, wenn wir anfangen, unserem Pferd wirklich zuzuhören.

Beobachtung, Erfahrung oder Intuition?

Wer lange mit Pferden lebt, kennt vermutlich Situationen, in denen er „einfach wusste“, dass etwas nicht stimmt. Dafür braucht es zunächst überhaupt keine übernatürliche Erklärung.

Unser Gehirn verarbeitet permanent Informationen. Ein minimal veränderter Gesichtsausdruck, eine andere Körperspannung, ein ungewohntes Bewegungsmuster oder eine kleine Abweichung von einer vertrauten Routine können uns auffallen, ohne dass wir bewusst sagen könnten, welches Detail den Ausschlag gegeben hat. Vielleicht nennen wir das dann Bauchgefühl oder Intuition.

Intuition ist nicht dasselbe wie Wunschdenken

Wer lange mit Pferden lebt, kennt vermutlich Situationen, in denen er etwas „einfach weiß“, ohne genau erklären zu können, woher dieses Wissen kommt. Dafür müssen wir Intuition nicht kleinreden. Im Gegenteil. Manche Menschen sind ausgesprochen feinfühlig, nehmen kleinste Veränderungen wahr und scheinen ein besonderes Gespür für Tiere zu haben. Vielleicht verarbeiten sie unbewusst sehr viel mehr Informationen, als ihnen selbst bewusst ist. Vielleicht gibt es darüber hinaus Formen der Wahrnehmung, die wir bislang nicht vollständig erklären können. Ich finde, auch dafür darf man offenbleiben.

Nur ist nicht jeder Gedanke, der in unserem Kopf auftaucht, automatisch eine Botschaft unseres Pferdes. Und genau hier wird es schwierig.

Wir Menschen bringen unsere eigenen Wünsche, Ängste, Erfahrungen und Erwartungen mit. Wenn ich mir beispielsweise sehr wünsche, dass mein Pferd bei mir glücklich ist, kann sich der Gedanke „Mein Pferd würde nirgendwo anders sein wollen“ sehr wahr anfühlen. Trotzdem muss er nicht von meinem Pferd kommen. Vielleicht ist es meine Hoffnung. Vielleicht meine Interpretation. Vielleicht tatsächlich Intuition. Von außen lässt sich das nicht immer eindeutig unterscheiden.

Gerade deshalb finde ich bei Tierkommunikation eine gewisse Bodenständigkeit so wichtig. Wenn eine vermeintliche Botschaft auffällig genau das bestätigt, was wir ohnehin glauben oder gerne hören möchten, lohnt es sich, besonders kritisch hinzuschauen. Ein Pferd wird uns vermutlich nicht permanent erzählen, wie wunderbar wir sind, dass ausschließlich wir es verstehen und dass all unsere Entscheidungen genau richtig sind.

Echtes Zuhören kann schließlich auch bedeuten, etwas wahrzunehmen, das nicht in unser eigenes Bild passt.

Wenn Tierkommunikation zum Geschäftsmodell wird

Leider gibt es auch in diesem Bereich Menschen, die mit der Sehnsucht von Pferdebesitzern nach einer besonders tiefen Verbindung gutes Geld verdienen.

Gerade weil sich telepathische Kommunikation nicht einfach überprüfen lässt, ist Vertrauen enorm wichtig. Ein unseriöser Anbieter kann einem Menschen im Grunde vieles erzählen – und besonders leicht lässt sich natürlich das verkaufen, was dieser Mensch gerne hören möchte.

Ich möchte damit nicht ausschließen möchte, dass es Menschen mit einer außergewöhnlich feinen Wahrnehmung oder ausgeprägten Intuition gibt. Im Gegenteil: Ich glaube, wir sollten offen dafür bleiben, dass Menschen unterschiedlich sensibel wahrnehmen und dass wir längst nicht jede Form von Wahrnehmung vollständig verstanden haben.

Aber Offenheit bedeutet für mich nicht, jede Behauptung ungeprüft zu übernehmen.

Wenn eine Tierkommunikation vor allem aus schmeichelhaften Botschaften, großen Versprechen und vermeintlich unumstößlichen Aussagen besteht, wäre ich vorsichtig. Ebenso, wenn jemand behauptet, immer genau zu wissen, was ein Pferd denkt, oder die eigene Wahrnehmung als unfehlbar darstellt. Denn niemandem ist damit geholfen, wenn am Ende lediglich die Wünsche des Menschen bestätigt werden – außer vielleicht dem Geldbeutel dessen, der dafür bezahlt wird.

Warum ich Anna Hochberg trotzdem – oder gerade deshalb – empfehle

Genau an diesem Punkt möchte ich Anna Hochberg ausdrücklich von solcher Kritik ausnehmen.

Was ich an Anna schätze, ist gerade ihre Bodenständigkeit. Sie macht aus Tierkommunikation kein allwissendes Instrument und kennt die Grenzen ihrer Arbeit. Sie verbindet ihre Wahrnehmung mit einem ganzheitlichen Blick auf Pferd und Mensch und stellt Tierkommunikation nicht über andere Fachbereiche.

Auch gesundheitlich zieht sie eine klare Grenze: Ein Tiergespräch ersetzt weder eine Diagnose noch die notwendige fachliche Betreuung. Auf ihrer eigenen Website weist Anna ausdrücklich darauf hin, dass Tierkommunikation kein Heilversprechen darstellt und keinen Besuch bei Tierarzt oder Tierheilpraktiker ersetzt.

Für mich ist genau diese Haltung ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Denn vielleicht zeigt sich verantwortungsvolle Tierkommunikation nicht darin, möglichst spektakuläre Botschaften zu übermitteln. Vielleicht zeigt sie sich vielmehr darin, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen, ohne sie für unfehlbar zu halten.

Das gilt übrigens nicht nur für professionelle Tierkommunikatoren: Es gilt für uns alle. Wir dürfen unserem Bauchgefühl vertrauen. Wir dürfen lernen, immer feinere Signale unserer Pferde wahrzunehmen. Wir dürfen offen dafür sein, dass Kommunikation möglicherweise mehr umfasst als das, was wir unmittelbar sehen und messen können.

Aber wir sollten uns immer wieder fragen:

Höre ich gerade wirklich meinem Pferd zu – oder höre ich das, was ich gerne hören möchte?

Diese Frage empfinde ich nicht als Misstrauen gegenüber der eigenen Intuition. Ganz im Gegenteil. Vielleicht ist sie eine Voraussetzung dafür, Intuition überhaupt von den eigenen Wünschen unterscheiden zu lernen.

Tierkommunikation darf medizinische Abklärung nicht ersetzen

Besonders wichtig wird diese Unterscheidung, wenn es um die Gesundheit geht. Ein Pferd verändert plötzlich sein Verhalten. Es möchte nicht mehr geritten werden. Es reagiert beim Satteln ungewohnt. Es wird aggressiv, zieht sich zurück oder bewegt sich anders.

Natürlich dürfen wir uns fragen, was unser Pferd uns damit sagen möchte. Aber wenn körperliche Ursachen möglich sind, gehört eine fachliche Abklärung für mich immer zur Basis. Tierkommunikation darf dann ein zusätzlicher Impuls sein. Sie sollte aber weder eine Diagnose liefern noch Tierarzt, Therapeut oder andere qualifizierte Fachpersonen ersetzen.

Das sieht übrigens auch Anna selbst so. Bei ihrem Angebot für Pferdegespräche weist sie ausdrücklich darauf hin, dass Tierkommunikation kein Heilversprechen darstellt und keinen Besuch beim Tierarzt oder Tierheilpraktiker ersetzt. Diesen Punkt finde ich enorm wichtig, denn ein offener Blick und kritisches Denken schließen sich nicht aus.

Vielleicht geht es gar nicht darum, alles beweisen zu müssen

Ich persönlich finde Tierkommunikation spannend. Gleichzeitig muss ich nicht für jede Wahrnehmung sofort eine Erklärung haben. Vielleicht war das Gefühl, dass heute etwas mit meinem Pferd nicht stimmt, eine sehr genaue unbewusste Beobachtung. Vielleicht war es Erfahrung. Vielleicht Intuition. Und vielleicht gibt es Formen der Kommunikation, die wir heute noch nicht vollständig erklären können.

Ich kann diese Frage offenlassen. Viel wichtiger finde ich, was daraus entsteht.

  • Macht mich eine Wahrnehmung aufmerksamer für mein Pferd?
  • Beginne ich genauer hinzusehen?
  • Hinterfrage ich meine bisherigen Vorstellungen?
  • Gebe ich meinem Pferd mehr Möglichkeiten, ein Nein auszudrücken?
  • Oder benutze ich vermeintliche Botschaften meines Pferdes am Ende nur dazu, meine eigenen Überzeugungen zu bestätigen?

Gerade die letzte Frage finde ich wichtig, denn wirkliches Zuhören bedeutet nicht nur, das zu hören, was wir gerne hören möchten.

Pferd und Mensch gehören zusammen

Was mir an Annas Arbeit besonders gut zu meiner eigenen Sichtweise passt, ist ihr Blick auf beide Seiten. In ihrer Pferd-Mensch-Paarberatung geht es ausdrücklich nicht nur um das Pferd. Anna betrachtet Mensch und Pferd als gemeinsames System und möchte beiden Raum geben. Tierkommunikation ist dabei ein Bestandteil ihrer Arbeit neben weiteren Ansätzen der Pferd-Mensch-Begleitung.

Und damit sind wir wieder bei einem Gedanken, der mir selbst immer wichtiger geworden ist:

Das Pferd. Der Mensch. Und das Mensch-Pferd-Team.

Wir können nicht nur am Pferd „arbeiten“ und erwarten, dass dadurch automatisch alles gut wird. Wir bringen uns selbst mit in diese Beziehung. Unsere Erfahrungen, Erwartungen, Ängste, unsere Körpersprache und unsere Vorstellungen davon, wie ein Pferd sein sollte.

Vielleicht besteht gute Kommunikation deshalb gar nicht darin, immer genau zu wissen, was unser Pferd denkt. Vielleicht beginnt sie viel früher: Mit Beobachten. Mit Zuhören. Mit Fragen. Und mit der Bereitschaft, die eigene Antwort nicht schon vorher zu kennen.

Was ich aus meinem Gespräch mit Anna mitgenommen habe

Ich glaube nicht, dass wir Tierkommunikation unkritisch als Antwort auf jedes Problem betrachten sollten. Aber genauso wenig möchte ich die Tür zuschlagen und behaupten, dass nur das existieren kann, was wir bereits vollständig erklären können.

Mein Gespräch mit Anna hat mich vor allem daran erinnert, wie schnell wir im Alltag über unsere Pferde entscheiden, statt uns zunächst zu fragen, was sie uns eigentlich zeigen.

Anna geht dabei noch einen deutlichen Schritt weiter und nutzt die telepathische Tierkommunikation ganz konkret als Möglichkeit, Pferde in Entscheidungen und in die gemeinsame Beziehung einzubeziehen. Wer sich dafür interessiert, sollte sich ihre Arbeit ruhig selbst ansehen und sich eine eigene Meinung bilden.

Auch das gehört für mich zu einer guten Basis: offen bleiben, genau hinschauen, Fragen stellen und gleichzeitig kritisch denken.

Mein Gespräch mit Anna Hochberg

Für meinen Online-Kongress Liebe der Pferde habe ich mit Anna ausführlich über Tierkommunikation gesprochen. Wir sprechen darüber, was sie darunter versteht, wie ein Pferdegespräch aus ihrer Sicht funktioniert und welche Rolle diese Form der Kommunikation in der Beziehung zwischen Pferd und Mensch spielen kann.

Mein Gespräch mit Anna Hochberg bei Liebe der Pferde

Wenn du Anna und ihre Arbeit darüber hinaus kennenlernen möchtest, findest du auf ihrer eigenen Website Informationen zu Tierkommunikation, Pferdegesprächen, ihrer Pferd-Mensch-Paarberatung sowie ihren Kursen und Ausbildungen.

Mehr über Anna Hochberg und ihre Arbeit

Liebe der Pferde Kongress, Online-Kongress

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